Unser Ökogarten

Unser Ökogarten

Unser Ökogarten

Die Stadt Herne, welche sich im Ruhrgebiet befindet, hält den Rekord der waldärmsten und besiedlungsdichtesten Stadt in Deutschland. Dies bemerkt die Herner Tierschutzjugend einerseits daran, dass die Artenvielfalt von freilebenden Tieren in ihrer Stadt deutlich geringer wird. Selbst der Spatz (Haussperling) hat die Stadt in Westfalen verlassen. Andererseits erleben die jungen Tierschützer an sich selbst die Entfremdung zu natürlichen Lebensgrundlagen.

Dagegen wollten die Kinder und Jugendlichen tätig werden. In verschiedenen Gruppenstunden, die wöchentlich durchgeführt werden und durch selbstorganisierte Seminaren befassten sie sich mit der Problematik des Artensterbens.

Materialbeschaffung

Materialbeschaffung

Schnell war klar, dass sie hiergegen etwas Tun wollten. Es wurde nach einem großen Grundstück gesucht, auf dem sie (Über-)Lebensraum für Insekten, Säugetiere, Vögel, Amphibien u.v.m. schaffen wollten. Nach langem Suchen wurde in Herne-Horsthausen ein 3.348 m² großes Grundstück gefunden. Ab dem 1. Juni 1990 pachtete die Herner Tierschutzjugend diese Grünfläche vom Regionalverband Ruhrgebiet. Die ehemalige Pferdeweide sollte schnell in eine Streuobstwiese mit Blumenwiese, Feuchtbiotop mit Trockenmauer umgewandelt werden. Bereits 1991 pflanzten die Kids 18 hochstämmige Obstbäume sowie 700 Heckenpflanzen als dreireihige Vogelschutzhecke. Ein Kleinbagger baggerte ein 225 m² großes Feuchtbiotop aus. Ein Radlader unterstützte die Kinder- und Jugendgruppe beim Bau einer ca. 25 m langen Trockenmauer.
Bei dieser und nachfolgenden Pflanzmaßnahmen erhielt die Herner Tierschutzjugend Unterstützung auch von anderen Tierschutzjugendgruppen. So kamen Tierfreunde extra z.B. aus Hamburg, Oer-Erkenschwick und Remscheid angereist, um bei dem Projekt „Öko-Garten“ zu helfen. Auch Schulen boten ihre tatkräftige Unterstützung an.

Buddeln, bauen, pflanzen

Buddeln, bauen, pflanzen

Doch im Öko-Garten wurde nicht nur gepflanzt, gebuddelt oder gebaut. Jedes Jahr fand im Sommer dort ein Zeltlager statt, dass den Stadtkindern Naturerlebnisse nicht nur zu den wöchentlichen Gruppenstunden, sondern „rund um die Uhr“ erlaubte.

In den darauf folgenden Jahren wurde das Grundstück zu einem vielseitigen Biotop weiterentwickelt. Immer wieder wurden die Obstbäume geschnitten und die Blumenwiese gemäht und abgeharkt. Ab 1999 erhielten die Tierschützer Unterstützung durch 4 Schafe, die das Grundstück vor Verbuschung schützten. Dafür wurde ein Teilbereich als Weide eingezäunt und ein Schafsstall gebaut. Die Kinder und Jugendlichen erlernten die verantwortungsvolle und artgerechte Haltung von Nutztieren.

Unsere Schafe

Unsere Schafe

Von Jahr zu Jahr wurden die Mühen der Pflege immer mehr durch sichtbare Erfolge belohnt. Es konnten nicht nur Nutztiere gehegt und gepflegt werden. Auch immer mehr verschiedene Tierarten, wie z.B. eine Vielzahl von Insekten, Amphibien und Vögeln konnten in den verschiedenen Lebensräumen beobachtet werden. Ihnen wurde durch z.T. selbstgebaute Nisthilfen zusätzlich Unterschlupfmöglichkeiten geschaffen (z.B. für Steinkäuze, Bienen und Wespen, Singvögel). 2008 wurde der Bau eines „Bienenhotels“ durchgeführt. Immer wieder wurden Hecken und Obstbäume gepflanzt, so dass die Streuobstwiese nun 33 Kulturpflanzen verzeichnen kann.
Aber auch die jungen Tierschützer profitierten von ihrem Fleiß. Die Obsternte fiel jedes Jahr immer größer aus. Waren es zu Anfang nur ein paar wenige Äpfel, Nüsse, Birnen, Kirschen und Pflaumen, fallen nun jährlich große Mengen an, die das Kontingent an Verzehrmöglichkeiten übertraf. So erlernten die Kids, selbst Apfelsaft herzustellen. Für die Stadtkinder etwas ganz Neues. Denn sie wussten bisher nur, dass er aus dem Tetrapack kommt. Der Vergleich des selbsthergestellten Direktsaftes mit industriell verarbeiteten Konzentrat hat die Kinder schmecken lassen, dass gekaufte Lebensmittel oft mit dem Ursprungsprodukt in keinster Weise vergleichbar sind.
Mittlerweile hat sich der Öko-Garten der Herner Tierschutzjugend als wichtiges Trittsteinbiotop zwischen dem Naturschutzgebiet Vossnacken, der begrünten Halde am Hölkeskampring, den Grünflächen am Sodinger Bach und dem Stadtpark entwickelt.
Bei allen Maßnahmen wurden die Tierschützer finanziell von der Unteren Landschaftsbehörde unterstützt. Die Pacht wurde durch Artenschutz-Arbeitseinsätze (Nistkastenreinigung, Hecken- und Baumschnitt) verdient.

Schnittarbeiten

Schnittarbeiten

Die mehreren Generationen von Kindern und Jugendlichen, die am Öko-Garten mitgewirkt haben, freuten sich immer wieder, wenn nach dem grauen Biologieunterricht in der Schule praktisches Tun und Erleben im Ökogarten folgte. Einige Kids haben die Entwicklung ihrer Freifläche von der einst monotonen Wiese zu einer Naturoase von Kind bis zum Erwachsensein hautnah miterlebt und mitgestaltet. Viele Maßnahmen wurden in die Gärten der Eltern übertragen. So konnte der Öko-Garten auch durch mehrere Funk- und Fernsehaufzeichnungen ein Multiplikator für weitere Artenschutzmaßnahmen an anderen Stellen werden. Er hat damit nicht nur Kindern deutlich gemacht, dass zum Schutz der freilebenden Tierwelt viele kleine Maßnahmen viele große überlebensnotwendige Dinge bewirkten können.
Die Herner Tierschutzjugend freut sich darüber, auch in Zukunft vielen weiteren Kindern vor Ort von dieser notwendigen Arbeit überzeugen zu können.